{"id":522,"date":"2020-07-09T14:45:13","date_gmt":"2020-07-09T12:45:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bloggedy.de\/?p=522"},"modified":"2025-07-31T13:52:15","modified_gmt":"2025-07-31T11:52:15","slug":"expo-2000-als-comedy-das-ansehen-der-nation-rettete","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bloggedy.de\/?p=522","title":{"rendered":"EXPO 2000: Als Comedy das Ansehen der Nation rettete."},"content":{"rendered":"\n<p>Das gab&#8217;s nur einmal. Vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren begann das spannendste Projekt meiner Karriere: Die Expo-Werbespots mit Verona Feldbusch-Pooth und Sir Peter Ustinov. Ein wilder Ritt \u00fcber den Bodensee, alles wurde mit hei\u00dfester Nadel gestrickt, der Drehbeginn war f\u00fcr den 13. Juli fix, das erste Treffen zwischen Agentur und Produktion fand zehn Tage vorher im Beisein von Harald Schmidt statt, der an diesem Nachmittag zur Bestform auflief. F\u00fcr dieses Meeting w\u00fcrde ich heute noch jedes Geld der Welt als Eintritt zahlen. Das Wichtigste aber: Wir hatten den Job.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-4-3 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Expo 2000 Werbung 2000\" width=\"640\" height=\"480\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/7d3m0cL2hYA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Zur Vorgeschichte. Aus unerfindlichen Gr\u00fcnden hatte die nieders\u00e4chsische Landeshauptstadt sich als Ausrichter f\u00fcr die Weltausstellung im Jahr 2000 beworben, und aus noch unerfindlicheren Gr\u00fcnden hatte sie den Zuschlag bekommen. So kam es zur EXPO 2000. Es entstand ein Konzept, das viel zu kopflastig war, zwar mit vielen gut gemeinten Ideen zu \u00d6kologie und St\u00e4dteplanung, doch die ganze Veranstaltung war v\u00f6llig am Publikum vorbei geplant. Beispielhaft daf\u00fcr stand das Expo-Maskottchen \u201eTwipsy\u201c, eine Art tschernobylgesch\u00e4digter Dodo, geboren in einer LSD-getr\u00e4nkten, gemeinsamen Session von Mondrian und der Diddl-Maus. Manche fr\u00fchkindliche St\u00f6rung der Generation Z d\u00fcrfte auf eine Begegnung mit dieser Kreatur des Schreckens zur\u00fcckzuf\u00fchren sein.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-medium\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"225\" height=\"300\" src=\"https:\/\/www.bloggedy.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Twipsy-225x300.avif\" alt=\"\" class=\"wp-image-1152\" srcset=\"https:\/\/www.bloggedy.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Twipsy-225x300.avif 225w, https:\/\/www.bloggedy.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/Twipsy.avif 720w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Kurz: Die Expo interessierte kein Schwein, die Besucher blieben aus, die gesamte Veranstaltung drohte zu einem Riesenblamage f\u00fcr Hannover, Deutschland und die Regierung Schr\u00f6der zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Also wurde umgeplant. Ab sofort stand der Entertainmentfaktor im Mittelpunkt. Das zentrale Element der Kampagne sollten die Werbespots werden. Titel: \u201eDas gibt\u2019s nur einmal.\u201c Das Konzept: Irgendwas mit Comedy. Und so kamen wir ins Spiel. Bonito machte mich zum Headwriter, ich rief die Kollegen Andy Gaw und Ralf Bunzel von der Wochenshow an, die sofort zusagten. Los ging\u2019s.<\/p>\n\n\n\n<p>Erstes Treffen des Teams sollte samstags um 12 Uhr auf dem Expo-Gel\u00e4nde sein. Doch am Vorabend heiratete bei Osnabr\u00fcck noch mein bester Kumpel aus Schulzeiten. Die m\u00f6glichen Protagonisten hatten bis dahin dreimal am Tag gewechselt, und als ich zur Hochzeitsfeier fuhr, waren noch v\u00f6llig andere Namen in der Verlosung. Ich sag&#8216; nicht, wer, doch ich dachte nur: Oh mein Gott!<\/p>\n\n\n\n<p>Um ein Uhr nachts musste ich mich auf der Hochzeit verabschieden, mir tut es bis heute leid um die charmante Unterhaltung mit der Chorkollegin der Braut, die ich abrupt beenden musste. Ich tat es f\u00fcr Deutschland. Samstagmorgen um zehn sprang ich ins Auto, um zur Expo zu rasen, p\u00fcnktlich um 12 Uhr begann unsere Besichtigungstour \u00fcbers Gel\u00e4nde, dabei waren neben Ralf Bunzel und Andy Gaw f\u00fcr Bonito noch Werner Kainz, Martin Kraus und Frank Offermanns von DDB Needham.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Protagonisten wurden bekanntgegeben: Ustinov und Feldbusch. Erster Gedanke: What? Zweiter Gedanke: Doch, das kann klappen. V\u00e4terlicher Freund und verr\u00fcckte Nudel \u2013 hey, das ist sogar richtig gut! Ein <em>odd couple<\/em> vom Feinsten.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Tag lang klapperten wir die L\u00e4nderpavillons ab, sammelten Ideen, flachsten herum und hatten Spa\u00df. Wir alle \u2013 und das war wirklich eine einmalige Erfahrung \u2013 verstanden uns auf Anhieb blind, so als w\u00fcrden wir schon ein Leben lang zusammenarbeiten. Gegen Ende des Abends standen die Ideen f\u00fcr die Spots. Teamplay at its best!<\/p>\n\n\n\n<p>Niemand verlangte von uns ein Konzept oder eine Figurenbibel. Das war ein Stunt ohne Netz und doppelten Boden.<\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fcckfahrt ins Rheinland, am Sonntag dann das entscheidende Meeting in D\u00fcsseldorf. 9. Juli, nur noch vier Tage bis zum Dreh! Ich behaupte heute noch, dass die Agenturleute uns \u055awas in den Kaffee getan haben, denn aus den bestehenden Ideen haben wir in Windeseile die Storys f\u00fcr f\u00fcnf Spots zusammengeschraubt, die dann nur noch ausgearbeitet werden mussten. Was mit dieser genialen Crew ein Selbstl\u00e4ufer war. Abends ging\u2019s dann mit dem Flieger \u2013 warum mit dem Flieger? \u2013 zur\u00fcck nach Hannover: Zwei Tage lang Clips ausarbeiten in einem stickigen, dunklen Container, der in einer stickigen, dunklen Halle auf dem Expo-Gel\u00e4nde stand.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann ben\u00f6tigten wir noch einen Er\u00f6ffnungsclip. Wunsch der Expo-Leitung unter Birgit Breuel. Ich erinnerte mich zum Gl\u00fcck an meine Lieblingsszene aus Mel Brooks&#8216; Meisterwerk \u201eSilent Movie\u201c: Das Rollstuhlrennen rund ums Krankenhaus mit Paul Newman. Diese Szene adaptierten wir, um Protagonisten und Expo-Gel\u00e4nde vorzustellen: Sir Peter und Verona lieferten sich ein Wettrennen mit Golfw\u00e4gelchen. Birgit Breuel war begeistert. Bingo!<\/p>\n\n\n\n<p>Job done, Caipirinha f\u00fcr alle! An jenem Mittwoch, dem Vorabend zum Dreh, habe ich mich quasi ins Wachkoma verabschiedet, ich machte bei den Drehs zwar offiziell noch die Scriptaufsicht, doch in diesen vier Tagen bestand meine Aufgabe ausschlie\u00dflich darin, einmal darauf hinzuweisen, dass ein einzelner Gag falsch betont wurde. Die Dreharbeiten gingen in den geplanten vier Tagen \u00fcber die B\u00fchne, Feldbusch\/Ustinov harmonierten und brillierten, am 24. Juli ging die Kampagne on air. Brutto waren vom erstem Meeting bis zur Ausstrahlung drei Wochen vergangen. Heute w\u00e4re das unvorstellbar, dieses Risiko w\u00fcrde niemand mehr gehen. Alle w\u00fcrden sich gegen ein m\u00f6gliches Scheitern absichern, und auch ich muss aus heutiger Sicht sagen: Es war komplett irre, diesen Job anzunehmen. Aber das war es wert. \ud83d\ude03<\/p>\n\n\n\n<p>Die Expo-Clips wurden erwartungsgem\u00e4\u00df in den Leitmedien verspottet, wir sind schlie\u00dflich immer noch in Deutschland, wo niemand unter seinem Niveau lacht. Aber sie funktionierten: Hey, das war gute Comedy! Die Besuchszahlen knallten hoch, wir hatten die Expo gerettet.<\/p>\n\n\n\n<p>Geiles Team, tolle Sache.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/reise\/aktuell\/expo-werbung-millionen-fuer-feldbusch-und-ustinov-a-93931.html\">https:\/\/www.spiegel.de\/reise\/aktuell\/expo-werbung-millionen-fuer-feldbusch-und-ustinov-a-93931.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das gab&#8217;s nur einmal. 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