Dialoge vs. Wortporno

Gestern habe ich mal wieder in eine der ersten Folgen von „House of Cards“ hineingeschaut. Die Situation: Claire Underwood war mit dem Fotografen Adam Galloway aufs Hotelzimmer gegangen, hatte aber im letzten Moment einen Rückzieher gemacht. Nun steht sie mit Frank, ihrem Mann, zu Hause in der Küche.

Claire: „Adam ist wieder in der Stadt.“
Frank: „Wo übernachtet er?“
Claire: „Im Marriotts.“
Frank: „Und wo übernachtest Du?“
Claire: „Hier!“

Damit wurde nichts ausgesprochen, aber alles gesagt. Frank wusste von Claires Affäre, sie hat sie beendet, beide vergewissern sich ihrer Loyalität. Meisterhaft! So geht Dialog.

Direkt danach zappe ich in eine Degeto-Schmonzette hinein, einem Wortporno der übelsten Sorte, in dem die Protagonisten sich neunzig Minuten lang gegenseitig ihre Gefühle offenbaren um die Ohren hauen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass Captain Obvious auch Drehbücher schreibt. Nichts bleibt ambivalent, alles wird 1:1 ausgesprochen. Das ist, als würde man auf die Nutellastulle noch Zucker streuen. Nein, genau so geht’s nicht.

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